Katharina Lüdicke 
 

 

 
 

Family Village 2013
Unterm Dach 2012

Multilab.Mobil 2012
Bernauer Straße III 2012
Moritzplatz 2011
Bernauer Straße II 2011
Fellini-Feelini Berlin 2011

IBA Hamburg 2010

Umweltbundesamt 2010

Arkonaplatz 2009
Bernauer Straße 2009
Bundesjustizministerium 2008

Adlershof 2007
Stettin 2007
ARD 2006/07
Schule 2004



Freies Land, Straße 46, Parzelle 118, Berlin - Weißensee
Installation aus Holz
400 cm x 400 cm x 250 cm
2007

 
               
   
 
 
 
   
 
 
 
   
 
 
 
   
 
 
 
   
 
 
 
   
   
Ausstellungsprojekt der Weißensee Kunsthochschule Berlin, Galerie „Alte Schule“, Kulturzentrum Berlin - Adlershof

 
               
   
Katharina Lüdicke - Freies Land, Strasse 46, Parzelle 118, Berlin-Weißensee, 2007

Katharina Lüdicke hat für die Ausstellung lokal, dezentral eine komplette, ausrangierte Hütte aus der Gartenkolonie Freies Land in Berlin-Weissensee nach Adlershof in den Vorgarten der Galerie Alte Schule versetzt. Die einzige Veränderung, die die Künstlerin durch die Rekonstruktion an der ursprünglichen Hütte aus Weißensee vorgenommen hat, ist deren Umstülpung von Innen nach Aussen – wie sich an den nach oben ragenden Nägeln der Dachlatten, dem Schrank sowie der Zimmerlampe an der Aussenwand erkennen lässt.

Einem Findling ähnlich steht die Hütte nun vor der Galerie und scheint auf längst vergangene Zeiten zu verweisen. Fensterscheiben, Türklinken und verblichene Tapetenresten lassen sich als Zivilisationsspuren interpretieren, als ob es sich dabei um das Haus handelt, welches als einziges der letzten Flutkatastrophe getrotzt hätte und als kuriose Erinnerung daran stehengelassen wurde. Katharina Lüdicke rettet die Hütte der Parzelle 118 in der 46. Strasse der Gartenkolonie in Weißensee vor der bevorstehenden Zerstörung und enthebt sie durch die Überführung in den Ausstellungskontext gleichzeitig ihrer eigentlichen Funktion. Die nach aussen gedrehten, verwitterten Innenwände geben kaum noch den erhofften Einblick in ein privates Freizeitleben, sondern zeigen formal exemplarische Konstruktionsweisen einer gezimmerten Hütte. Statt als Gartenhütte privaten Zwecken vorbehalten zu sein, ist diese nun im Vorgarten der städtischen Galerie einer größeren Allgemeinheit zugänglich und schreibt sich damit in ein generelles kulturelles Gedächtnis ein. Vergleichbar mit den Resten einer Pfahlbauersiedlung, die im Heimatmuseum als Repräsentanten und Garanten unserer Zivilisationstradition konserviert werden. Das nach wie vor gepflegte, wenn auch etwas muffig wirkende Phänomen Schrebergarten wird durch Katharina Lüdickes Geste im Sinne einer Archäologie der Gegenwart objektiviert und untersucht. Der im Titel der Arbeit enthaltene Name der Kolonie Freies Land verweist auf die utopischen, allgemein menschlichen Sehnsüchte, die in Peripherien und Vorstädten durch den Besitz einer Parzelle im Schrebergarten erfüllt werden wollen – in Weißensee genauso wie in Adlershof.

Maja Wismer, 2007
               
   

... Die grassierende Philosophie des »Pasta & Grappa-Urbanismus«, die uns weismachen will, dass wir alle in einem menschenfreundlichen globalen Dorf leben mit reich möblierten Fußgängerzonen und schick designten Fassaden, lässt uns übersehen, dass Städte nicht zuerst durch ihre Bauten leben, sondern durch die Menschen in ihnen.
Katharina Lüdicke hat im Garten ein Holzhaus errichtet, das jahrzehntelang im Ostteil der Stadt stand, hat sein Inneres nach außen gekehrt, so dass wir nicht nur der Überschreitung eines Verfallsdatums, sondern auch der Patina der Mangelgesellschaft ansichtig werden...

Christoph Tannert, Juni 2007